Einblick in das DIZH-Forschungsprojekt «Geschichte(n) für die globale Gegenwart»

Forschungsprojekt

Im von der Digitalisierungsinitiative Zürich (DIZH) geförderten Forschungsprojekt der ZHdK und der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZH) werden historische, didaktische, kuratorische und gestalterische Expertisen miteinander verknüpft, um eine neue Form der digitalen Geschichtsvermittlung zu entwickeln.

Was zunächst wie ein typisch schweizerisches Objekt erscheint, offenbart bei genauerem Hinsehen komplexe Verflechtungen: Eine Appenzeller Pfeife erinnert an Alpenromantik, erzählt aber auch von Tabakhandel mit der Karibik, kolonialen Zusammenhängen und «erfundenen Traditionen» der Schweiz. Doch wie können solche verborgenen Verbindungen für Schüler:innen sichtbar und erlebbar werden?

Mit dieser Fragestellung beschäftigt sich das Forschungsprojekt «Geschichte(n) für die globale Gegenwart» (Laufzeit 2023-2026). Dabei entsteht Müliweg Eins - Das Museum für die globale Gegenwart. Die zentrale Methode des Projekts ist das «kuratorische Lernen». In einem virtuellen Museum können Schüler:innen Sammlungsobjekte von allen Seiten betrachten, skurrile Analysegeräte ausprobieren, formale Zusammenhänge entdecken und Begriffe nachschlagen. Dabei befragen sie die Sammlungsobjekte eigenständig, stellen sie in neue Kontexte und lernen etwas über die globalen Herkünfte der Gegenwart.

Zum Schluss tragen die Schüler:innen ihre Recherche in einer eigenen Ausstellung zusammen. Dabei geht es auch um die Frage von Gestaltung: Wie werden über die räumliche Anordnung und Inszenierung von Objekten, Bildern und Texten relationale Zusammenhänge sichtbar? Und was ist der Vorteil einer solchen Konstellation gegenüber linearen Narrativen?

«Wir können nicht einfach so mit dem Geschichtsbild aus dem 19. Jahrhundert weiterarbeiten», so Sophia Prinz, Projektleiterin und Professorin für Designtheorie und Geschichte an der ZHdK. Die zentrale Frage lautet: Wie können Geschichtsunterricht und Museen so gestaltet werden, dass globale und transkulturelle Beziehungen sichtbar und marginalisierte Stimmen hörbar werden? Durch gezielte Hinweise und spannende Aufgaben gelangen Schüler:innen selbst zu eigenen Erkenntnissen. Dabei geht es nicht nur um die Vermittlung historischer Fakten, sondern auch um eine bestimmte Haltung im Umgang mit Geschichte, um das Denken in Beziehungen und Zusammenhängen.

«Geschichte(n) für die globale Gegenwart» ist ein Forschungsprojekt der ZHdK und der PHZH. Das Projekt wird im 2. Projekt-Call der DIZH gefördert. Die Videodokumentation des Forschungsprojekts ist ebenfalls eine Initiative der DIZH.

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Fotodokumentation Müliweg, Foto: David Jäggi.
Fotodokumentation Müliweg, Foto: David Jäggi.