Blut und Blutkreislauf
Hans-Ulrich Weber
1974 / Tusche und Aquarell
Die Arbeit „Blut und Blutkreislauf“ (1974) von Hans-Ulrich Weber verbindet die wissenschaftliche Illustration mit didaktischen Prinzipien der visuellen Wissensvermittlung. Die Darstellung des menschlichen Blutkreislaufs in einer klar strukturierten und zugleich anschaulichen Form ist auf Verständlichkeit und Übersichtlichkeit ausgerichtet und steht damit in Verbindung zur Tradition der Schulwandbilder und Lehrtafeln, wie sie im naturwissenschaftlichen Unterricht des 20. Jahrhunderts häufig verwendet wurden. Komplexe Prozesse in grossformatiger visueller Aufbereitung dienten dazu, Lerninhalte kollektiv erfahrbar zu machen. Charakteristisch ist dabei die Kombination aus schematischer Reduktion und illustrativer Genauigkeit: Einzelne Organe, Gefäße und Kreisläufe werden hervorgehoben, vereinfacht und in einen nachvollziehbaren Zusammenhang gebracht.
Wie moderne Informationsgrafiken verfolgt die Darstellung das Ziel, komplexe Daten und Abläufe in eine lesbare visuelle Ordnung zu überführen. Farben, Linienführung und räumliche Organisation dienen nicht primär ästhetischen Zwecken, sondern unterstützen Orientierung, Verständnis und Erinnerung.
Die Arbeit lässt sich so als Vorläufer infografischer Vermittlungsformen verstehen, welche nach der Jahrtausendwende einen starken Aufschwung erlebten.
