Streifenkirsche
Jasmin Huber
2013 / Printaquarell
Die Arbeit „Streifenkirsche“ (2013) von Jasmin Huber untersucht, wie traditionelle wissenschaftliche Bildsysteme durch digitale und gestalterische Methoden weiterentwickelt werden können. Das botanische Aquarell als historisch gewachsene, aber weiterhin aktuelle Bildpraxis gilt bis heute als Referenz in der visuellen Naturdarstellung. Seine besondere Stärke liegt in der präzisen, detailreichen Darstellung botanischer Merkmale sowie in seiner atmosphärischen Bildwirkung, die seit dem „Goldenen Zeitalter“ der botanischen Illustration im 19. Jahrhundert große Faszination ausübt.
In der Kombination von klassischen und experimentellen Bildverfahren wurde eine neue Bildsprache entwickelt, die bewusst an traditionelle Formen anknüpft, diese jedoch in eine zeitgenössische visuelle Logik überführt. Die Verbindung von Aquarellmalerei und digitalen Techniken – in Form des sogenannten «Printaquarells» – ermöglicht einen effizienteren und zugleich erweiterten Arbeitsprozess, der die ästhetischen Qualitäten des klassischen Aquarells mit den Vorteilen digitaler Bildbearbeitung verbindet. Ausgangspunkt war dabei die Frage, wie botanische Illustrationen wirtschaftlicher produziert werden können, ohne Einbußen in Bildsprache, Lesbarkeit und Vermittlung hinnehmen zu müssen.
Visuelle Darstellung wird hier nicht nur bewahrt, sondern aktiv transformiert – zwischen historischer Referenz, methodischer Forschung und zeitgenössischer Anwendung. In diesem Sinne hat Jasmin Huber mit ihrer Masterarbeit «Kirschendarstellungen – Zwischen Tradition und Moderne» die Grenzen der traditionellen Aquarellillustration erweitert und mit der Entwicklung neuer Methoden einen bedeutenden Beitrag zur Disziplin der Knowledge Visualization geleistet.
Die Arbeit wurde 2014–2015 im Rahmen der Ausstellung „Bildergarten“ im Neuen Museum Biel präsentiert. Ergänzend dazu erschien 2017 die Publikation „Chriesi: Kirschenkultur rund um Zugersee und Rigi“ bei Edition Victor Hotz, ein Standardwerk zur Kirschenkultur rund um Zugersee und Rigi.
Die Masterarbeit von Jasmin Huber (ehemals Baumann) wird von ihr selbst umfassend in der Publikation Gestaltungsmethoden in der Botanik, In: Pflanzen, Blüten Früchte – Botanische Illustrationen in Kunst und Wissenschaft beschrieben.





