Oreopithecus bambolii

Niklaus Heeb
1991 / Acryl

Die Diplomarbeit „Oreopithecus bambolii“ (1991) von Niklaus Heeb bewegt sich im Spannungsfeld zwischen wissenschaftlicher Rekonstruktion und künstlerischer Interpretation. Ausgangspunkt ist die paläoanthropologische Praxis des sogenannten Lebensbildes, das ausgestorbene Organismen auf Basis fossiler und vergleichender Daten in eine plausible visuelle Gestalt überführt. Solche Rekonstruktionen versuchen, Erscheinung, Körperhaltung und mögliche Lebensweise vergangener Arten hypothetisch zu veranschaulichen und für ein nicht-fachliches Publikum nachvollziehbar zu machen. Die Arbeit reflektiert diese Tradition jedoch kritisch und erweitert sie um eine bewusst interpretative Dimension.

Die Rekonstruktion des Oreopithecus bambolii wird nicht als abgeschlossene wissenschaftliche Wahrheit präsentiert, sondern als visuelle Annäherung mit interpretativem Spielraum. Gezielt eingesetzte Unschärfen, Auslassungen und Momente der Andeutung unterbrechen eine rein dokumentarische Lesbarkeit und öffnen den Raum für Imagination und Reflexion. Betrachtende werden dadurch stärker in den Wahrnehmungsprozess eingebunden und zum aktiven Deuten und Weiterdenken eingeladen.

Prof. Niklaus Heeb leitet seit 2006 die Fachrichtung Knowledge Visualization an der ZHdK und verantwortet das Master-Programm sowie die Forschung. Als wissenschaftlicher Illustrator und Biologe entwickelt er innovative Methoden der Wissensvermittlung – von Scientainment bis hin zu bildgestützten Forschungsprojekten in interdisziplinären Teams. Sein Ziel ist es, komplexe Forschung verständlich, zugänglich und wirksam zu machen.

Darüber hinaus koordiniert er den Minor Sustainable Design und engagiert sich als Delegierter für Nachhaltigkeit im Design. In dieser Funktion initiiert und begleitet er Projekte in Lehre und Forschung, mit denen die ZHdK der Gesellschaft Impulse für eine nachhaltige Transformation gibt.

Die Diplomarbeit entstand in Zusammenarbeit mit dem Naturhistorischen Museum Basel und dem Anthropologischen Institut der Universität Zürich. Nach dem Diplomabschluss führte sie zu einer Wanderausstellung über die Methoden wissenschaftlicher Illustration im Bereich der anthropologischen Rekonstruktion. Diese wurde in den Museen Basel, Stuttgart, Heidelberg, Kiel und Berlin sowie in Zürich und weiteren Orten gezeigt.

1991 / Acryl.
1991 / Acryl.