Die Titanwurz – So monumental wie vergänglich

Alessandro Holler
2015 / Still aus 3D-Animation

Die Bachelor Diplomarbeit „Die Titanwurz – So monumental wie vergänglich“ (2015) von Alessandro Holler übersetzt biologische Prozesse in ein digitales Modell, das die aussergewöhnliche Erscheinung und Lebensweise der Titanwurz (Amorphophallus titanum) narrativ und atmosphärisch vermittelt. Zugleich thematisiert sie die Rolle des Modells als Mittel der Erkenntnis. Das animierte digitale 3D-Modell dient als konstruiertes Abbild, das die Blütenanatomie und komplexe biologische Zusammenhänge sichtbar macht, skaliert, vereinfacht oder zeitlich verdichtet und zugleich dramaturgische Mittel sowie eine zeitgenössische visuelle Sprache einsetzt. Wachstum, Blüte und Vergänglichkeit der Titanwurz können so in einer Form dargestellt werden, die in der realen Beobachtung nicht möglich ist. Das Modell wird somit zu einem epistemischen Werkzeug zwischen wissenschaftlicher Analyse und visueller Erfahrung.

Die Diplomarbeit wurde anschliessend von der Forschungsgruppe Knowledge Visualization, gefördert durch die Stiftung Gebert Rüf, unter dem Titel „Tangible Virtual Models“ weiterentwickelt. Entstanden ist ein interaktives Ausstellungsmodul, bei dem ein digitales 3D-Modell der Titanwurz gestengesteuert erfahrbar gemacht wird. Das Modell kann virtuell zum Blühen gebracht, gedreht und in seinem Inneren erkundet werden und wurde ab 2016 international in Museen und Ausstellungen gezeigt.

Durch die Möglichkeit, über Gesten in den virtuellen 3D-Raum einzugreifen, das Blütenmodell zu steuern, sein Wachstum zu simulieren und interaktiv gezielt Informationen abzurufen, entsteht ein explorativer Zugang, der Neugierde fördert und das Verständnis vertieft. Die virtuelle Titanwurz positioniert sich damit im Bereich des sogenannten „Scientainment“ – der Inszenierung von Wissen als Brücke zwischen Forschung, Vermittlung und öffentlicher Wahrnehmung.

Die Projektarbeiten zur Titanwurz entstanden in enger Zusammenarbeit mit mehreren Kooperationspartnern: Ludic Game Development, dem Botanischen Garten der Universität Basel, dem Papiliorama, dem Museum für Gestaltung sowie Cast – Audiovisual Media.

2015 / Still aus 3D-Animation.
2015 / Still aus 3D-Animation.