Metamorphose des Laubfroschs

Harald Cigler
1981 / Aquarell und Bleistift

Die Arbeit „Metamorphose des Laubfroschs“ (1982) von Harald Cigler knüpft an die Tradition des Schulwandbildes an, das komplexe biologische Prozesse in eine anschauliche und kollektiv lesbare Form überführte. In einer Kombination aus Aquarell und Bleistift wird die Entwicklung des Hyla arborea vom Laich über die Kaulquappe bis zum ausgewachsenen Frosch dargestellt. Bevor Animationen oder digitale Lernmedien verbreitet waren, mussten zeitliche Abläufe innerhalb eines einzelnen Bildraums organisiert werden. Die Metamorphose wird nicht als Abfolge isolierter Einzelbilder gezeigt, sondern als sequenzielle Entwicklung innerhalb einer zusammenhängenden Komposition.

Mehrere Entwicklungsstadien und Handlungsebenen existieren gleichzeitig im Bild und erzeugen unterschiedliche Erzählstränge: Wachstum, Bewegung, Verwandlung und Lebensraum werden parallel sichtbar gemacht. So entsteht eine narrative Struktur, die biologische Prozesse nicht nur erklärt, sondern visuell erfahrbar macht. Die Darstellung steht damit in der Tradition biologischer Lehrtafeln, die vor der breiten Verfügbarkeit digitaler Bewegtbilder, als Lehrmittel genutzt wurden.

Die Verbindung aus wissenschaftlicher Genauigkeit, narrativer Bildorganisation und illusionistischer Darstellung macht die Arbeit zu einem anschaulichen Beispiel visueller Vermittlung von Prozessen und Veränderung auf hohem handwerklichem Niveau.

1981 / Aquarell und Bleistift.
1981 / Aquarell und Bleistift.