Botanische Illustration – Pilzdarstellung
Marcel Reuschmann
1970 / Aquarell
Die Arbeit „Botanische Illustration – Pilzdarstellung“ (1970) von Marcel Reuschmann knüpft an wissenschaftliche Bildtafeln und naturkundliche Lehrillustrationen in Forschung, Unterricht und Bestimmungsbüchern an. Die bewusste Reduktion auf wesentliche Merkmale verweist auf die Tradition naturwissenschaftlicher Illustration, in der präzise Beobachtung und ästhetische Darstellung eng miteinander verbunden sind.
Das Aquarell zeigt eine differenzierte Untersuchung der Entwicklungsphasen des Fliegenpilzes (Amanita muscaria) nicht nur hinsichtlich seiner biologischen Merkmale, sondern auch in Bezug auf den charakteristischen Habitus, also die Erscheinungsweise, Haltung und Gesamtwirkung. Charakteristische Elemente wie Lamellenstruktur, Wachstum oder Materialität werden gezielt hervorgehoben und in eine klare Bildordnung überführt.
Besonders zentral ist dabei der Einsatz illusionistischer Darstellungsmittel, der wissenschaftliche Genauigkeit mit visueller Erfahrbarkeit verbindet und den Pilz nicht nur erkennbar, sondern in seiner Erscheinung nachvollziehbar macht. Durch fein abgestufte Farbverläufe, Licht-Schatten-Modellierung und präzise gesetzte Details entsteht eine starke räumliche und materielle Präsenz. Oberflächenbeschaffenheiten wie samtige Hüte, feuchte Strukturen oder poröse Lamellen werden mit großer Sensibilität wiedergegeben und erzeugen eine beinahe haptische Wirkung. Textur wird damit zu einem wesentlichen Informationsträger innerhalb der Darstellung. Die botanische Illustration dient hier als visuelles Erkenntnisinstrument, indem sie Wissen strukturiert und verständlich macht.
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