Rhoeo spathacea

Joseph Schelbert
1977 / Aquarell

Die Diplomarbeit Rhoeo spathacea (1977) von Joseph Schelbert thematisiert in besonderer Weise die Gegenüberstellung von Anschauung und Vorstellung, indem dieselbe Pflanze zunächst auf der Grundlage eines Form und Struktur beschreibenden Textes dargestellt wird, um sie dann einer Darstellung aufgrund der eigenen Beobachtung des physischen Objekts gegenüberzustellen.

Gleichzeitig wird die unmittelbare Anschauung durch gestalterische Entscheidungen erweitert, die über das rein Sichtbare hinausweisen. So entsteht eine Spannung zwischen dem, was tatsächlich beobachtet werden kann, und dem, was im Prozess der Wahrnehmung und Imagination ergänzt oder transformiert wird. Diese Gegenüberstellung macht deutlich, wie Erkenntnis aus dem Zusammenspiel von exakter Beobachtung und subjektiver Deutung entsteht.

Die Darstellung wird damit nicht nur zum Abbild der Realität, sondern zu einem Medium, das unterschiedliche Ebenen des Wissens – das Gesehene und das Gedachte – miteinander verknüpft. Der Bildvergleich zeigt exemplarisch zwei zentrale Prinzipien der wissenschaftlichen Illustration: die idealisierende, verallgemeinernde Darstellung (Ideal) und die präzise Wiedergabe des individuellen Einzelobjekts (Individuum).

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1977 / Aquarell.
1977 / Aquarell.
Gezeichnet nach Vorstellung.
Gezeichnet nach Vorstellung.
Gezeichnet nach Beobachtung.
Gezeichnet nach Beobachtung.