Multiple Sklerose
Fabienne Boldt
1991 / Aquarell
Die Diplomarbeit „Multiple Sklerose“ (1991) von Fabienne Boldt zeigt eine modellhafte Darstellung von Nervenzellen und neurologischen Prozessen, wie sie für die wissenschaftliche Illustration der 1990er-Jahre charakteristisch war. Die farbige Aquarellillustration verbindet medizinisch-wissenschaftliche Genauigkeit mit einer klar strukturierten und visuell zugänglichen Bildsprache. Komplexe biologische Zusammenhänge werden nicht rein schematisch dargestellt, sondern mithilfe illusionistischer Darstellungsmittel räumlich, materiell und nachvollziehbar visualisiert und erhalten dadurch eine beinahe physisch-haptische Präsenz.
Besonders zentral ist dabei die modellhafte Reduktion: Zellstrukturen, Nervenbahnen und krankheitsbedingte Veränderungen werden gezielt hervorgehoben und räumlich komplexe Zusammenhänge werden in eine übersichtliche visuelle Ordnung überführt. Fein abgestufte Farbverläufe, kontrollierte Licht-Schatten-Modellierung und die räumliche Staffelung der Elemente erzeugen eine plastische Bildwirkung, die das Verständnis mikroskopischer Prozesse unterstützt. Die Darstellung dient damit nicht nur der Illustration medizinischer Inhalte, sondern fungiert als visuelles Erkenntnisinstrument, das wissenschaftliche Informationen verständlich und anschaulich vermittelt.
Die Arbeit entstand in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. J. Kesselring, dem Chefarzt für Neurologie und Rehabilitation am Rehabilitationszentrum Valens, und verweist exemplarisch auf die enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Gestaltung innerhalb der medizinischen Wissensvermittlung.
Fabienne Boldt Spinnler ist wissenschaftliche Illustratorin, Grafikerin und 3D-Designerin. Seit 2003 unterrichtet sie als Dozentin in der Fachrichtung Knowledge Visualization und wirkt seit mehr als 20 Jahren in verschiedensten Modulen, Kooperations- und Forschungsprojekten im Bachelor- und Masterprogramm mit.






